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Nachahmung erwünscht! Schön, dass sich Bauträger manchmal einen guten Architekten leisten.
21.01.2005 - Vor kurzem hat Schwabinger LebensArt am Ackermannbogen, das Haus des Architekten Meck, den Deutschen Architekturpreis Zukunft Wohnen erhalten.
![]() Schön, dass sich Bauträger manchmal einen guten Architekten leisten. Das Mehrfamilienhaus im Münchner Ackermannbogen ist ein gelungenes Beispiel dafür.
Es geht doch nichts über eine kleine, städtebauliche Exkursion an einem strahlend blauen Wintertag, zum Beispiel in den Schwabinger Norden. Genauer gesagt, in das Quartier zwischen Schleißheimer Straße und Ackermannbogen.
Da finden sich jede Menge Varianten moderner, großstädtischer Architektur. Wohnkomplexe, die möglichst viele Menschen auf möglichst wenig Grundfläche unterzubringen haben und daher in die Höhe gehen - Land in der Stadt ist teuer.
Manche Beispiele sind gelungen, manche allenfalls aufschlussreich: kompakte Genossenschaftsensembles aus den Zwanzigern mit ihren grünen Innenblockbereichen, die schmucklosen, pastellfarbenen, hohen Satteldachhäuser aus der Nachkriegszeit, beige Wohnsilos aus den 60-er und 70-er-Jahren.
Und neuerdings: die Bebauung des alten Militärgeländes am Olympiapark, wo sich neben Häusern, die mit Anklängen an die Post-Postmoderne dem Einheitsgeschmack ihrer Investoren frönen, auch Architektur zum Vorzeigen findet. Häuser ohne modische Attitüde, in einer klaren Formensprache gehalten - wie die des Büros Meck, das in der Therese-Studer-Straße gleich mehrere Objekte geplant hat.
Nummer 17 bis 19, dessen Bauherr die Bauland GmbH ist, ist auf dem Filetstück des Areals entstanden. Wer sich nach dem ersten Blick auf die eher abweisend wirkende Straßenfront, die sich in der arg verdichteten Situation gegenüber eng angrenzenden Nachbargebäuden behaupten muss, an die Rückseite des fünfgeschossigen Gebäudes begibt, versteht auch, warum: Von hier aus hat man eine unverbaubare, sonnenbeschienene Sicht auf alte Baumbestände, die Hügel des Olympiaparks und auf den Fernsehturm, der, wie zur Straßenseite hin das BMW-Haus, als Landmarke den Blick gen Himmel und in die Weite zieht. Von der Gartenseite aus erschließt sich auch die schlichte Schönheit der Architektur: ein heller Rahmen fasst den anthrazitgrauen Quader, der aus 43 Wohneinheiten besteht. Dunkle Geländerreihen aus verzinktem Stahl gliedern die Fassade horizontal. Die Gitterstäbe stehen so eng beieinander, dass sie als Sichtschutz wirken und doch transparent bleiben.
Die strenge Gliederung der Fassade ist aufgelockert durch Vor- und Rücksprünge, die durch Loggiazonen direkt neben den vollverglasten Wohnräumen entstehen und die Gesamtkomposition in einem Rhythmus aus Licht und Schatten strukturieren. Im Sommer kommen die orangenen Markisen zum Einsatz, die plan mit den Geländern abschließen und ein lebendiges Bild abgeben, je nachdem wie eifrig die Bewohner sie benutzen.
Überhaupt haben die Planer Wert auf die Bewohner als Mitgestalter gelegt. Die Loggien sollen nach außen persönliche Eigenheiten sichtbar machen: mit Pflanzen, Möbel und Bobbycars, die, eingebettet in die puristische Architekur, akzentuiert zur Geltung kommen.
Die meisten Wohnungen haben zwei Zimmer und sind etwa 55 Quadratmeter groß, es gibt aber auch Drei- und Vierzimmerwohnungen mit 75 bis 90 Quadratmetern - allesamt Eigentumswohnungen, frei oder nach dem München Modell finanziert, die beim Einzug vor einem Jahr etwa 3500 pro Quadratmeter kosteten.
Besonders beliebt bei Familien sind die Wohnungen im Parterre, die Terrasse und Garten haben, den nur eine Buchenhecke und davor - ein schönes Detail - eine durchgehende Betonbank vom öffentlichen Raum trennt. Dann geht es auf den Spielplatz und ins Grüne.
Zur Straßenseite hin sind die Küchen und Bäder untergebracht. Die Wohnungseingänge erreicht man über Sichtbetontreppen und Laubengänge.
Manchem Bewohner mag es lästig sein, die groben Gehwegplatten, die sich nicht nur außen, sondern der gestalterischen Konsequenz halber auch im Treppenhaus befinden, sauber zu halten. Aber sie passen halt gut ins Konzept, die Platten. Überall sind robuste Materialien verwendet worden, hochwertig und sorgfältig ausgesucht, wie der Handlauf aus Eiche und die komplett durchgefärbten Faserzementplatten, denen man Kratzer nicht so schnell ansieht.
Es geht nichts über eine städtebauliche Exkursion - das denkt auch die Bayerische Architektenkammer und veranstaltet jedes Jahr eine "Architektour", wobei eine unabhängige Jury entscheidet, welche Bauten besichtigungswürdig sind. Die Therese-Studer-Straße 17-19 war beim letzten Mal dabei.
(Quelle: Süddeutsche Zeitung 19.01.2005) |